Das Heilige Römische Reich deutscher Nation

Das Heilige Römische Reich im Jahr 1789
Das Heilige Römische Reich im Jahr 1789

Das vom Jahre 962 bis 1806 existierende Heilige Römische Reich deutscher Nation war ein aus weit über 300 unterschiedlich großen Territorialstaaten, halbautonomen Gebieten und Reichsstädten gebildeter Staatenbund. Im Süden reichte er zeitweise bis nach Italien und Dalmatien, im Osten grenzte er an Ungarn und Polen. Im Westen reichte der Bund bis zur französischen Grenze, im Norden war er von Ost- und Nordsee eingeschlossen. In Fortsetzung der Tradition des antiken Römischen Reiches wollten die mittelalterlichen Regenten so die Herrschaft als Gottes heiligen Willen im christlichen Sinne legitimieren.

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Mit Geistern gegen die Aufklärung: Geheimbünde im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert zeigte sich, dass auch (oder gerade?) in einer aufgeklärten Atmosphäre Platz für Geheimnisse ist. Während die Kirche in der Bevölkerung insgesamt an Rückhalt verlor, entstanden kleine Gruppen fanatischer Aktivisten. Nicht zuletzt die Langeweile des begüterten, nicht arbeitenden Adels begünstigte ein Verlangen nach nicht rational zu erklärenden Begebenheiten und geheimen Ritualen, bis hin zur Geisterbeschwörung und zum Wunderglauben. Quacksalber und Wunderdoktoren mit Elektrisiermaschinen stießen vielerorts auf ernsthaftes Interesse. Der deutsche Arzt und Philosoph Marcus Herz berichtete in der „Berliner Monatsschrift“ von einem Handwerker, dessen ominöse „Mondheilungen“ in höheren Bevölkerungsschichten besonders gefragt waren.

Symbol der Rosenkreuzer
Symbol der Rosenkreuzer

Viele Prominente der Zeit wie Diderot, Beaumarchais, La Fayette oder Danton in Frankreich, Washington und Franklin in den USA, Haydn und Mozart in Österreich sowie Goethe, Herder, Wieland und Lessing in deutschen Landen schlossen sich sogenannten Geheimgesellschaften an. Im Gegensatz zu dem teilweise öffentlich agierenden Bund der Freimaurer oder der harmlosen, 1738 von einem exklusiven Zirkel bürgerlicher oder neuadeliger Publizisten, Beamten und Theologen gegründeten Berliner Mittwochsgesellschaft, hielten sich Männerbünde wie die Illuminaten oder die Rosenkreuzer im Hintergrund.  „Mit Geistern gegen die Aufklärung: Geheimbünde im 18. Jahrhundert“ weiterlesen

Von Geldkatzen und Arbeitsbeuteln

Taschen werden heutzutage oft als Sammelobjekt für Frauen angesehen, die weniger nützlich als modisch sein müssen. Das Bayerische Nationalmuseum in München präsentierte in seiner Ausstellung „Taschen. Eine europäische Kulturgeschichte vom 16. bis 21. Jahrhundert“ eine breite Palette von Modellen der letzten Jahrhunderte, die wichtigen Zwecken dienten.

In der Frühen Neuzeit waren Taschen gerade für Männer von großer Bedeutung. Krünitz zählt mehr als drei Dutzend Modelle auf, darunter die Tabakstasche, Wagentasche oder die Gaukeltasche für Taschenspieler. Kurfürst Maximilian I. von Bayern trug im Gelände eine kunstvoll bestickte Jägertasche am Gürtel. Brieftaschen boten Fächer „mit mehreren Tafeln Pergament zum Notiren verschiedener Gegenstände, die sowohl im Geschäftsleben, als auch auf Reisen etc. vorkommen“.

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Hexenjäger und Spinnen-Teufel

Das Hexenbild des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit war eine Konstruktion von Intellektuellen, die volkstümliche Zaubereitraditionen plötzlich mit dem Teufel verbanden. Im Krünitz wird Magie durch „geheime Weisheit, geheime Kunst“ oder Hexerei definiert, die übernatürliche Kräfte hervorbrächten: „Bey jener ließen sich die wunderbar scheinenden Wirkungen aus Gesetzen der Natur ableiten, bey dieser aber sollten Geister mit wirken.“ Je nachdem, ob die Geister gut oder böse waren, unterschied das Strafrecht frühmoderner Staaten „schwarze und weiße, oder sträfliche und unschuldige“ Magie. „Hexenjäger und Spinnen-Teufel“ weiterlesen

Von „Frauenzimmern“ und Enzyklopädisten

Wie der Enzyklopädist Johann Georg Krünitz in der Frühen Neuzeit Frauen beschrieb und definierte, ist im Nachhinein amüsant zu lesen, daher führe ich hier viele Originalzitate an. Den Band 14 seiner insgesamt 242 Bände umfassenden Oeconomischen Encyclopädie publizierte er im Jahr 1778.  Er ging der Frage nach, „ob die Natur dem Frauenzimmer eben so viel Stärke des Leibes und der Seele ertheilt habe, als dem männlichen Geschlechte?“, und welche „Freyheit der Frauenzimmer in Ansehung der männlichen Gesellschaft“ zukommen solle. „Von „Frauenzimmern“ und Enzyklopädisten“ weiterlesen

„Du, glückliches Österreich, heirate!“ – Maria Theresias Einfluss in Europa

Maria Theresia von Österreich (1717-1780) war die einzige Frau, die jemals an der Spitze des Hauses Habsburg stand und zählt zu den einflussreichsten und bedeutendsten Frauen der Weltgeschichte. Sie nahm den Titel ihres 1745 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönten Gatten Franz I. Stephan an. Obwohl sie nie gekrönt wurde, nannte man die Frau, die Österreichs Regierungsgeschäfte führte, Kaiserin. Sie war jedoch zugleich die Erzherzogin von Österreich, Königin von Ungarn und Böhmen sowie die Gräfin von Tirol.

Kaiserin Maria Theresia, Gemälde von Martin van Meytens, um 1752
Kaiserin Maria Theresia, Gemälde von Martin van Meytens, um 1752

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Josephs II. Lieblingsprojekt: Das Gesundheitswesen

Die Rolle der Krankenhäuser änderte sich im 18. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich grundlegend. Bis dahin hatten die Kirche und pflegende Orden sich für arme Menschen verantwortlich gezeigt. Im Geiste der Aufklärung war das öffentliche Gesundheitswesen insbesondere Kaiser Joseph II. ein wichtiges Anliegen. Mit der Gründung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien – bis heute das größte Krankenhaus Österreichs – verbesserte sich auch die Situation der Ärzte. Da in immer größeren Kliniken ganze Patientengruppen mit denselben Symptomen zusammenkamen, mussten sie sich nicht weiter auf unklare, subjektive Schilderungen von Kranken stützen, sondern profitierten vom gegenseitigen Wissen und führten Routineuntersuchungen wie Abtasten, Abklopfen oder Abhorchen ein. „Josephs II. Lieblingsprojekt: Das Gesundheitswesen“ weiterlesen

Die Freimaurer: Eine „Gesellschaft mystischer Philosophen“?

Freiheit. Gleichheit. Brüderlichkeit.

Die Freimaurerei versteht sich als ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führe. Die fünf Grundideale der Gruppe – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität – sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden. Krünitz sprach damals von einer „Gesellschaft mystischer Philosophen“, die propagierten, „daß nur die Moral wahre Wissenschaft, und wahre Tugend nur die gesellige sey.“

Freimaurer-Ritual
Initiation eines “Suchenden”, Kupferstich, Frankreich, 1745

Wie in Handwerkerzünften durchliefen Mitglieder des Männerbundes die Grade Lehrling, Geselle und Meister. Versammlungen der „Brüder“ bestanden aus einer gemeinsamen Mahlzeit, einem Vortrag mit anschließender Diskussion und einer Kollekte: Netzwerken und Coaching in der Frühen Neuzeit! Menschen aller sozialer Schichten, Bildungsgrade und Glaubensvorstellungen wurden aufgenommen, um am Aufschwung der Gelehrsamkeit und Wissenschaften im Sinne der Aufklärung teilzuhaben. Im Gegensatz zu anderen Geheimgesellschaften warben die – eigentlich gar nicht so geheimen – Logen nicht um Mitglieder; was wirklich zählte, war Eigenmotivation. Über die Aufnahme entschied die „Kugelung“, eine geheime Abstimmung mit weißen und schwarzen Kugeln.  „Die Freimaurer: Eine „Gesellschaft mystischer Philosophen“?“ weiterlesen

Was verband Voltaire und Friedrich den Großen?

Potsdam zwischen Kunst und Krieg

Ein eigenartiges Gespann oder „eine wunderbare Freundschaft“? Über 800 Briefe aus 42 Jahren dokumentieren die  intensive Korrespondenz zwischen Frankreichs berühmtem Philosophen Voltaire und Preußens bedeutendem König Friedrich II. – und sie begegneten sich auch oft persönlich.

Gemälde Tafelrunde Friedrich der Grosse von Adolph Menzel
Tafelrunde Friedrichs d. Gr. von Adolph Menzel 1850

Im Jahr 1740 nahm Voltaire eine Einladung des Kronprinzen an und stattete ihm einen zweiwöchigen Besuch auf Schloss Rheinsberg ab. Kurz danach verstarb Friedrichs Vater, der auf alles Militärische fixierte „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., und aus dem Kronprinz wurde der König Preußens. Zehn Jahre später lud der Regent Voltaire nach Potsdam ein und ernannte ihn zum Kammerherrn des 1747 vollendeten Schlosses Sanssouci.

Der 58-jährige Philosoph blieb zwei Jahre. Er wollte den 17 Jahre jüngeren Freund für seine Ideen von Freiheit und Toleranz gewinnen, lehrte ihn in der königlichen Bibliothek Rhetorik, Dichtkunst und Philosophie. Friedrich II. umgab sich in Potsdam mit mehreren französischen Gelehrten und war einer der meistpublizierten Autoren seiner Zeit. In seinem Werk „Antimachiavell” erklärte er seine humanistischen Ideen einer breiteren Öffentlichkeit.  „Was verband Voltaire und Friedrich den Großen?“ weiterlesen