Heißluftballons und Dampfmaschinen: Geniale Erfindungen

Watt, Ampere, Ohm, Volta – heute benutzt man diese Begriffe selbstverständlich für elektrische Einheiten. Aber wer waren die Erfinder, nach denen die Einheiten benannt sind? Das 18. Jahrhundert war die große Epoche für grundlegende Erfindungen, insbesondere im Bereich Elektrizität und Mechanik. So wurde die europaweite Industrialisierung erst möglich.

Dampfmaschine von Thomas Newcomen
Dampfmaschine von Thomas Newcomen, 1712 konstruiert

Während die Geisteswissenschaftler sich mit theoretischen Traktaten über die Emanzipation der Gesellschaft beschäftigten oder astronomische Erkenntnisse erlangten, entwickelten Handwerker und Ingenieure mit Hilfe von Privatinvestoren neue Maschinen und Verfahren zur Güterproduktion und trugen damit wesentlich zum technischen Fortschritt bei, aber auch zur Verarmung von selbständigen Handwerkern. Waren Maschinen auch in der Anschaffung teuer, brachten sie den Großinvestoren doch im Endeffekt große Gewinne und zerstörten die Lebensgrundlage von kleinen Produktionsstätten.  „Heißluftballons und Dampfmaschinen: Geniale Erfindungen“ weiterlesen

Aufklärer zwischen Gott und Galilei

Die Reformation im Heiligen Römischen Reich führte zu Grabenkämpfen zwischen den konfessionellen Lagern. Auslöser des jahrhundertelangen Disputs waren im Oktober 1517 Martin Luthers 95 Thesen über den Ablass, die er an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg schlug. Er traf einen wunden Punkt, denn auch viele Gläubige waren der Meinung, die Renaissancepäpste vernachlässigten ihr geistiges Amt, dem Klerus mangele es an theologischer Bildung und die im Land umherreisenden Ablassprediger repräsentieren eine unmoralische Finanzpolitik mit Ablässen.

Im Jahr 1812 übte auch der evangelisch-lutherische Theologe Heinrich Gustav Flörke in der Krünitzschen Enzyklopädie Kritik am Ablasshandel. Reformation definierte er als die „von der durch Luthern und seine Gehülfen geschehenen Abstellung der in die Kirche und den Lehrbegriff eingerissenen Mißbräuche und Irrthümer, welche einige im Deutschen die Glaubensverbesserung, andere aber richtiger und treffender die Glaubensreinigung nennen“. Aus lutherischen und reformierten Strömungen bildete sich daraufhin eine eigenständige evangelische Kirche heraus und begründete den christlichen Protestantismus.

Die Habsburgermonarchie strebte jedoch eine Rekatholisierung an. Ihre Gegenreformation reichte bis ins 18. Jahrhundert. Viele Kloster und Orden wurden gegründet, die Jesuiten gewannen wieder Terrain. Die Domkapitel der römisch-katholischen Kirche ernannten hauptsächlich Adlige zu Erzbischöfen und Bischöfen. Bis 1803 regierten die deutsche Reichskirche vorwiegend Fürstensöhne, Reichsritter und Alter Adel, weshalb Kritiker von einer „Adelskirche“ sprachen. „Aufklärer zwischen Gott und Galilei“ weiterlesen

Josephs II. Lieblingsprojekt: Das Gesundheitswesen

Die Rolle der Krankenhäuser änderte sich im 18. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich grundlegend. Bis dahin hatten die Kirche und pflegende Orden sich für arme Menschen verantwortlich gezeigt. Im Geiste der Aufklärung war das öffentliche Gesundheitswesen insbesondere Kaiser Joseph II. ein wichtiges Anliegen. Mit der Gründung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien – bis heute das größte Krankenhaus Österreichs – verbesserte sich auch die Situation der Ärzte. Da in immer größeren Kliniken ganze Patientengruppen mit denselben Symptomen zusammenkamen, mussten sie sich nicht weiter auf unklare, subjektive Schilderungen von Kranken stützen, sondern profitierten vom gegenseitigen Wissen und führten Routineuntersuchungen wie Abtasten, Abklopfen oder Abhorchen ein. „Josephs II. Lieblingsprojekt: Das Gesundheitswesen“ weiterlesen

Warum wurden in Badstuben Zähne gezogen?

Der Beruf des Baders hat eine traditionsreiche Geschichte. Schon im Mittelalter hatten viele Ortschaften ein Badhaus. Barbiere und Bader waren in der Frühen Neuzeit  vielerorts Ärzte für die „kleinen Leute“, die selten Zugang zu medizinischen Einrichtungen hatten. In Badestuben wurde nicht nur die Körperpflege angeboten. Auch Aderlassen, Schröpfen, Zahn- und Augenheilkunde, ja sogar chirurgische Eingriffe zählten zu den Dienstleistungen. Hier musste besonders schnell und präzise gearbeitet werden, sonst bestand die Gefahr, dass der Patient am Schock seiner Schmerzen starb – denn die Narkose wurde erst 1846 eingeführt! Barbiere stutzen nicht nur Haare und Bärte, sondern nahmen operative Eingriffe wie Starstiche, Amputationen oder Frakturbehandlungen vor. „Warum wurden in Badstuben Zähne gezogen?“ weiterlesen

Körperwelten im „Anatomischen Theater“

Die Frühe Neuzeit war auch eine wichtige Epoche für die Anatomie. Durch das Sezieren von Leichen oder Tierkadavern konnten große Anatomen wie Albrecht von Haller in Deutschland, Marie-Francois-Yavier Bishat in Frankreich oder John Hunter in Schottland im wahrsten Sinne „in den Menschen hineinsehen“. Nicolaes Tulp, ein niederländischer Chirurg und einer der bekanntesten Ärzte des 17. Jahrhunderts veröffentlichte im Jahr 1641 sein Werk Observationeum medicarum libris tres (Medizinische Beobachtungen). Er schrieb es bewusst auf Latein, um das Volk von pseudomedizinischen Versuchen abzuhalten. Das von Zeitgenossen „Buch der Ungeheuer“ genannte Werk schildert detailliert 231 seiner beobachteten Fälle von Leiden und Tod, unter anderem von sezierten Tieren aus den holländischen Kolonien. „Körperwelten im „Anatomischen Theater““ weiterlesen

Dem Choleriker läuft die Galle über: Aderlass als Allheilmittel

Während Mediziner ihren Patienten heutzutage bei Untersuchungen nur geringe Mengen an Blut abnehmen, brauchten die Bader vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit für den Aderlass bis zu einem Liter. Die Methode basiert auf der bis ins frühe 19. Jahrhundert

James Gillray: Der Aderlass (um 1805)
James Gillray: Der Aderlass (um 1805)

anerkannten Viersäftelehre (Humoralpathologie).  Danach besteht jeder Körper aus vier Säften und erkrankt, wenn diese aus dem Gleichgewicht geraten (Dyskrasie). Jedem der Säfte wurde ein Organ zugeordnet, das die Substanz speichern, umwandeln oder erzeugen könne.

Zu den Säften Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle wurden die Elemente Luft, Wasser, Feuer und Erde sowie die vier Jahreszeiten  hinzugenommen. Mit den Grundqualitäten warm, trocken, kalt und feucht ergaben sich daraus verschiedene Zuordnungsmöglichkeiten.  Eine gute Mischung der Körpersäfte wollten Bader durch zusätzliche Behandlungen erzielen: Schröpfen, Erbrechen herbeiführen, Abführen oder Schwitzen. „Dem Choleriker läuft die Galle über: Aderlass als Allheilmittel“ weiterlesen

Bibliografie zur Frühen Neuzeit und zu Maria Sibylla Merian

Arndt, Ingo, Nomaden des Windes: Der Zug der Monarchfalter und andere Schmetterlingswunder, München, 2008

Bausinger, Hermann/Klaus Beyrer/Gottfried Korff (Hg.), Reisekultur. Von der Pilgerfahrt zum modernen Tourismus, München, 1991

Benoît, Pierre J., Voyage à Surinam Description des possessions Néederlandaises dans la Guyane, Bruxelles, 1839

Diedrich, Hans H. (Hg.), Geschichte der Kunst und der künstlerischen Techniken, Bd. 3: Holzschnitt, Kupferstich, Lithographie, Frankfurt/M., 1968

Dülmen, Richard van, Kultur und Alltag in der Frühen Neuzeit, zweiter Band: Dorf und Stadt 16.-18. Jahrhundert, München, 1992  „Bibliografie zur Frühen Neuzeit und zu Maria Sibylla Merian“ weiterlesen

Maria Sibylla Merian: Pionierin in Kunst und Wissenschaft

Wie kamen die Schmetterlinge zur Kupferstecherin?

Die begabte Malerin und Kupferstecherin Maria Sibylla Merian (1647-1717) hatte schon als Kind die Metamorphose von Schmetterlingen beobachtet und gemalt. Das Thema begleitete sie ihr ganzes Leben, und 1699 nahm sie im Alter von 52 Jahren nur in Begleitung ihrer Tochter eine anstrengende Überseefahrt nach Surinam auf sich, um tropische Insekten zu erforschen.

Dabei waren schon Fahrten in der Postkutsche innerhalb Europas eine Tortur! Und ganz ungefährlich war das Erforschen von Insekten für Frauen in einer abergläubischen Zeit mit Hexenverfolgungen nicht. Die seriöse Naturforschung steckte damals noch in ihren Kinderschuhen.

Aristoteles hatte eine bequeme Theorie entwickelt, die lange vorherrschte: Insekten entstehen aus Schlamm. Manche Zeitgenossen behaupteten gar, Schmetterlinge seien verzauberte Hexen.

Von Merians Reise existieren nur wenige Beweise, darunter ein Eintrag auf der Passagierliste des riesigen Segelschiffes. Während ihrer Zeit in Surinam hat sie in kurzen Texten die Pflanzen und Schmetterlingsarten beschrieben. Man muss zwischen den Zeilen lesen, um kulturhistorische Details zu erfahren, z. B. über Bräuche der indigenen Bevölkerung und die Kolonialpolitik der Niederlande.

Maria Sibylla Merian. Reise nach Surinam
Bildbiografie über Maria Sibylla Merian, Autorin: Kathrin Schubert

Kathrin Schubert: Maria Sibylla Merian. Reise nach Surinam, Frederking & Thaler / GEO 2010, ISBN 3894057726 “[…] Das Leben dieser 1647 in Frankfurt am Main geborenen Forscherin und Künstlerin in ihrem zeitgeschichtlichen Umfeld auf besonders anschauliche Weise darzustellen, ist das Verdienst von Kathrin Schuberts Band „Reise nach Surinam“. […] Rezension in der Süddeutschen Zeitung (23.09.2010)

“Auf den Spuren einer Frau, Künstlerin und Entdeckerin: 1699 begab sich Maria Sibylla Merian auf eine Forschungsreise nach Surinam. Aktuelle Fotos kombiniert mit Tagebuchauszügen, Karten und den Aquarellen Merians lassen diese aufregende Reise wieder lebendig werden. Begleiten Sie die zielstrebige Wissenschaftlerin und Künstlerin, die bis heute fasziniert.” GeraNova Bruckmann

Über die Autorin: Die Wortjongleurin Kathrin Schubert M.A. hat Romanistik, Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft studiert und arbeitet seit 10 Jahren als Übersetzerin, Autorin und Lektorin in München. Die “Wortjongleurin” pflegt diesen Blog aus Interesse. Kommentare und Gastbeiträge sind herzlich willkommen!